Archiv für Oktober 2010

Kleider machen Leute machen Kleider

D.I.Y. or die! – typische Ladyfestparole. Aber Klöppeln und Häkeln wird doch damit nicht gemeint gewesen sein?? Nähen und Stricken für die Ladiez von heute?
Dass Handarbeit auch unter emanzipierten jungen Menschen wieder salonfähig und mittlerweile geradezu hip ist, zeigt sich schon seit längerer Zeit nicht nur im Netz mit unzähligen Strick- und Nähblogs, sondern auch „in echt“:
Berlin macht’s vor mit Nähcafés und anderen Räumen „für textile Angelegenheiten“, Strick-Bar-Abenden und jungen Stoffläden wie z.B. Frau Tulpe in der Veteranenstraße. Selber machen verspricht schließlich Individualität im Kleiderschrank, und wer kann da schon widerstehen. Aber viele BetreiberInnen scheinen sich mit ihren Angeboten doch eher an die betuchtere junge Mutter in Prenzlauer Berg und Mitte zu richten, denn an die üblicherweise finanziell etwas schmaler ausgestattete Studentin und lassen sich (Designer-)Stoffe, Teilnahme an Kursen und Nutzung der Werkstattzeiten häufig recht teuer bezahlen.
Generell sind Nähen, Stricken & Co. in Zeiten der „sozialen Marktwirtschaft“ leider auch alles andere als finanziell günstige Kleidungsbeschaffungsmaßnahmen: Handarbeit erscheint als ein recht teures Vergnügen, vergleicht man z.B. Stoff- und Kurzwarenpreise mit denen fertiger Kleidungsstücke bei H&M – absurde Phänomene der Bekleidungsindustrie.

Umso charmanter, wenn ein kleines Grüppchen Nähbegeisterter in Greifswald versucht, die (Kleider-)Welt ein wenig besser zu machen: kabutze
Recyclen statt Konsumieren!
Mit der offenen Nähwerkstatt Kabutze bekommt die Idee des Nähcafés einen sympathisch anti-kommerziellen Anstrich: Hier sollen Nähbegeisterte jeden Alters, jeden Geschlechts und egal welcher Herkunft die Werkstatt auf Spendenbasis nutzen, dabei ins Gespräch kommen, sich gegenseitig helfen und von den Erfahrungen der Anderen profitieren.
Obendrein kommt das Ganze auch noch ökologisch motiviert daher: Denn wo andere auf trendy D.I.Y.-Hipness als Selbstläufer setzen, geht es dem Team der Kabutze neben der Idee, individuelle Kleidung zu schaffen, gerade auch darum, nachhaltiger mit Ressourcen umzugehen und ein Bewusstsein für das Problem von Kleidung als Konsumprodukt zu schaffen.

So soll es neben der offenen Nähwerkstatt mit Tee-Bar und Kinderecke – zunächst immer montags und mittwochs, 16-20 Uhr – und den verschiedenen Nähkursen in der Kabutze auch Filme, Vorträge und Ausstellungen zu politischen, ökologischen und kulturellen Themen rund um „Kleidung“ geben.

Ummodeln statt neukaufen, intergenerativ und unkommerziell – Das finden wir großartig und drücken die Daumen, dass soviel Idealismus UnterstützerInnen findet.

Wir sehen uns zur Eröffnungssause!
Am Sonnabend, den 23.10., ab 16 Uhr, wird die Kabutze in der Löfflerstr. 44 (Ecke Steinbecker Str.) mit Kuchen, Probenähen, Ausstellungseröffnung, VoKü und Musik vom Berliner Duo I‘m not a band eröffnet – wir sind auf jeden Fall dabei!

Weitere Infos zur Kabutze und der Eröffnungsparty findet ihr auf der liebevoll gestalteten Website unter www.kabutze-greifswald.de – toll finden, loslegen, Kabutzen-Träger_in werden!

Schere in die Hand, los geht’s!

Zum Ausprobieren am Montag Nachmittag schlagen wir gleich mal ein kleines Recycling-Projekt in bester Kabutzen-Manier vor: Ein Kleid aus alten T-Shirts, gefunden im D.I.Y.-Forum „threadbanger“, das Videotutorial dazu gibt es hier – und der nächste Sommer kommt bestimmt…

Wer Lust hat, mehr als nur die Werkstattzeiten mitzumachen: Es gibt ein Plenum alle zwei Wochen montags um 19 Uhr und neue Gesichter sind gern gesehen um das Team zu verstärken.

*UPDATE* Ein Interview mit dem Kabutze-Team jetzt auf dem Fleischervorstadt-Blog!

Ringvorlesung: Superwoman? Superman?

Hier wie versprochen der offizielle Flyer mit ausführlichen Infos zu den einzelnen Veranstaltungen der Ringvorlesung des IZFG.

superman
„Superwoman? Superman? – Visionen vom optimierten Leben“ findet jeden Mittwoch 16-18 Uhr im Hörsaal der Germanistik, Rubenowstr.3 statt und wird euch von uns wärmstens ans Herz gelegt!

Einen allgemeinen Überblick über Programm und Anliegen findet ihr hier, konkretere Beschreibungen der einzelnen Vorträge hier.

Katze als Fischvogel?

katze als vogel
Das große Interesse am Thema des gestrigen Abends hat uns wirklich gefreut, zumal es sich nicht nur in Zahlen messen ließ, sondern auch anhand der überaus angeregten – und anregenden – Diskussion nach dem Film.
Ein Grund für uns, Abende wie diese in Kooperation mit dem IZFG und dem IKUWO unbedingt zu wiederholen, noch in diesem Jahr.
Wer uns dabei unterstützen möchte: Schreibt uns eine Mail, damit wir euch in unseren Ladyfest-Verteiler aufnehmen können oder sucht uns bei facebook (Ladyfest Greifswald).

An dieser Stelle auch noch einmal der Hinweis auf die Ringvorlesung des IZFG, bei der es zum Teil auch um das Thema Intersexualität gehen wird, wie z.B. in den Vorträgen von

- Ulrike Klöppel am 3.11.2010:
perfect gender by design. Geschlechtsnormierung bei Intersexualität und die Idee der gezielten Herstellbarkeit der Geschlechtsidentität.
- Heinz-Jürgen Voß am 10.11.2010:
Das perfekte Geschlecht. Auf dem Weg in eine an den Bedürfnissen des Menschen orientierte Gesellschaft.
- Andrea Bettels am 8.12.2010:
Die perfekten Queers? Körper- und Inszenierungsstrategien von devianten Identitäten

>>Ringvorlesung Superwoman? Superman?
- Visionen vom optimierten Leben
immer Mittwochs 16-18 Uhr
im Hörsaal der Germanistik, Rubenowstr. 3

Weitere Infos dazu sowie ein Flyer folgen in Kürze. Schaut euch außerdem auf der Seite des IZFG um!

14.10. // „Die Katze wäre eher ein Vogel…“

Film über Intersexualität mit anschließender Diskussion

In Kooperation mit dem Ladyfest Greifswald veranstaltet das IZFG einen Filmabend mit anschließender Diskussion rund um das Thema Intersexualität.
Ziel ist es, etwaige Vorurteile abzubauen und Horizonte zu erweitern.

Das Geschlecht stellt eine der wichtigsten Identitätsgrundlagen dar, doch was bedeutet dessen Infragestellung?

Vier intersexuelle Menschen erzählen von ihren Erfahrungen und Gefühlen, von Fremdheit im eigenen Körper und vom Fremheit in der Gesellschaft. Sie berichten von der damit einhergehenden Tabuisieung un der zwanghaften Anpassung an die heterosexuelle Norm durch schwerwiegende Eingriffe in die (körperliche) Integrität.

Melanie Jilg vermeidet in ihrem dokumentarischen Film bewusst, das medizinisch-biologische „Phänomen“ Intersexualität zu erklären, denn die Medizin hat noch immer die Macht der Kategorisierung inne, von der alle Begrifflichkeiten pathologisierend geprägt sind.

Weitere Informationen zu dem Film unter: www.die-katze-ist-kein-vogel.de

Donnerstag, 14.10. | 21 Uhr | IKuWo | Goethestr.1 | Eintritt frei